Inklusion im Wintersport: „Geht nicht, gibt es nicht“

Barrierefreier Wintersport in Tirol: Skilehrer Michael Fasser ermöglicht Menschen mit Handicap unbeschwertes Skivergnügen.

Allgemein, Tourismus
18.02.2026 | Tiroler Zugspitz Arena

Inklusion im Wintersport: „Geht nicht, gibt es nicht“ 

 

Skilehrer Michael Fasser aus Lermoos hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Menschen mit Handicap das Skifahren zu ermöglichen. Mit speziell angefertigten Monoskis und Bi-Skis zeigt er eindrucksvoll, dass Inklusion im Wintersport längst Realität sein kann. In der Tiroler Zugspitz Arena wird diese Vision Tag für Tag gelebt. 

Was für die meisten selbstverständlich ist – Ski fahren – bleibt für viele Menschen mit Beeinträchtigungen ein unerreichbarer Traum.  Doch Michael Fasser hat sich auf eine Mission begeben, um diese Barriere zu überwinden. Es brauchte nur eine Frage, die sein Leben und das vieler anderer Menschen verändert hat. „Wie bringen wir unsere Tochter auf die Piste?“, fragte ihn ein Vater am Pistenrand. Seine Tochter Feli, damals sechs Jahre alt, leidet an einer schweren Muskelkrankheit, die nur die Bewegung ihres Oberkörpers zulässt. Der Traum, gemeinsam Ski zu fahren, schien für die Familie unerreichbar. Doch ein Jahr später fuhr Feli, dank eines Spezialgeräts, das Fasser eigens beschaffte, ihre erste Abfahrt.  

Vom persönlichen Projekt zum landesweiten Inklusionsprojekt 

Die Tiroler Zugspitz Arena zeigt, wie Inklusion auf der Piste gelebt wird – mit speziell angepassten Mono- und Bi-Skis ermöglicht Michael Fasser Menschen mit Handicap unvergessliche Skierlebnisse. © Michael Fasser/Snowpower

Aus einer persönlichen Herausforderung wurde ein landesweit anerkanntes Inklusionsprojekt. In Deutschland leben rund 7,9 Millionen Menschen mit schwerer Behinderung – doch nur wenige wagen sich auf die Skipisten. Michael Fasser hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. „Es geht nicht um ein Geschäftsmodell, sondern um eine Herzensangelegenheit“, betont er. Seit der Gründung seiner Skischule Snowpower im Jahr 2013 hat er das Angebot kontinuierlich erweitert. Heute betreuen zehn speziell ausgebildete Skilehrer Menschen mit Down-Syndrom, Cerebralparese und anderen komplexen Beeinträchtigungen. „Wir sind bekannt für die anspruchsvolleren Fälle“, sagt Fasser. Ein Beispiel für den Erfolg ist Feli, das Gesicht des Programms „No Handicap“. Sie lebt heute selbstständig in München, studiert und spielt im Rollstuhl-Fußball-Nationalteam. „Gerade erst an diesem Wochenende war sie wieder bei uns“, sagt Fasser stolz. Ein klares Zeichen für den nachhaltigen Erfolg des Projekts. 

Was Inklusion für die Familien bedeutet 

Ein Skilehrer fährt mit einem Kind im Bi-Ski die Piste hinunter – gelebte Inklusion im Wintersport
© Michael Fasser/Snowpower

Die Zeit auf der Piste gibt vielen Familien Kraft für den Alltag. Wenn Fasser davon erzählt, bekommt er glasige Augen. Von diesem gemeinsamen Erlebnis zehren sie ein ganzes Jahr. Die Gemeinschaft, die Selbstverständlichkeit, mit der sie plötzlich dabei sind. „Allein der Weg ins Skigebiet ist für Menschen mit Handicap nichts Selbstverständliches“, sagt Fasser. „Aber wenn sie dann im Bi-Ski sitzen, ist diese Anstrengung vergessen. Dann überwiegt die Freude.“ Aber auch die Skilehrer profitieren von der Arbeit mit den Menschen im Bi-Ski. „Wir bekommen emotional so viel zurück.“ Fasser selbst hat sich durch diese Arbeit verändert. „Es macht dich demütig. Du beginnst zu verstehen, was wirklich zählt im Leben.“ Kleinigkeiten, über die sich andere aufregen, erscheinen ihm inzwischen nebensächlich.  

In der Tiroler Zugspitz Arena hat das Projekt längst Wurzeln geschlagen. Die Liftmitarbeiter sind bestens eingespielt, helfen beim Einsteigen in die Gondel und ziehen die Bi-Skis über die Gummimatten. „Mit 90 Prozent der Lifte kommen wir problemlos hoch,“ sagt Fasser. Auch in den Nachbarorten Ehrwald und Biberwier ist man mittlerweile mit dem Projekt vertraut. „Es ist nicht mehr ungewöhnlich, sondern selbstverständlich: ‚Hey, cool, dass ihr wieder da seid.‘ 

Ein Projekt der Herzensangelegenheit 

Die Skischule stellt die speziellen Geräte kostenlos zur Verfügung, um allen den Zugang zum Wintersport zu ermöglichen. „Nur wenn ein Skilehrer erforderlich ist, erheben wir eine geringe Gebühr zur Kostendeckung.“ Das Projekt „No Handicap“ basiert auf Fassers persönlichem Engagement und der Unterstützung von Martin Fischer, Felis Vater. „Es geht nicht nur um eine Idee, sondern darum, einen echten Unterschied im Leben vieler Menschen zu machen,“ sagt Fasser. Die Ausrüstung – von Bi-Skis bis Monoskis – ist speziell auf die Bedürfnisse der Teilnehmer abgestimmt. „Ein Bi-Ski funktioniert wie ein Einkaufswagen,“ erklärt Fasser. „Vorne sitzt der Fahrer, hinten steuert der Skilehrer. Wir fahren auch im Tiefschnee, springen über Schanzen. Unsere Gäste erleben das gleiche Skifahren wie alle anderen.“ Doch es geht nicht nur um die Ausrüstung: „Es geht darum, sich die Zeit zu nehmen, jedes einzelne Bedürfnis zu verstehen,“ betont Fasser. So wird jeder Teilnehmer individuell betreut, um das bestmögliche Erlebnis auf der Piste zu gewährleisten. 

Der Weg zu Inklusion als Normalität 

Michael Fasser setzt sich mit persönlichem Engagement und speziell angepasster Ausrüstung dafür ein, dass Menschen mit Handicap Wintersport selbstverständlich erleben können. 
© Michael Fasser/Snowpower

Was einst als private Initiative begann, ist heute ein Symbol für die Veränderung der Gesellschaft. „Es geht nicht nur um das Skifahren,“ sagt Fasser. „Es geht darum, Barrieren abzubauen und zu zeigen, dass jeder das Recht hat, am Leben teilzuhaben.“ In der Tiroler Zugspitz Arena und darüber hinaus wächst die Akzeptanz von Inklusion, und das Projekt hat sich zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt. Fasser träumt von einer Zukunft, in der Inklusion nicht nur während der Paralympics gefeiert wird, sondern in allen Lebensbereichen normal ist. „Inklusion muss in den Alltag integriert werden,“ sagt er. Es geht ihm nicht nur um den Sport, sondern um eine Gesellschaft, in der jeder, unabhängig von seinen Fähigkeiten, die gleichen Chancen hat. 

Fassers Appell an zögernde Familien ist klar: „Geht nicht, gibt es nicht. Wir haben es bisher geschafft, jeden in den Monoski zu bekommen. Nur das Gewicht stellt eine Grenze dar – aber auch hier finden wir Lösungen.“ Für Fasser ist das Projekt mehr als nur eine Sportart; es ist eine Haltung, die den Unterschied im Leben vieler Menschen ausmacht. „Inklusion ist keine Modeerscheinung. Sie muss selbstverständlich werden und das erreichen wir Schritt für Schritt.“ 

Über Tiroler Zugspitz Arena

Die Tiroler Zugspitz Arena liegt auf der österreichischen Seite der Zugspitze im Tiroler Außerfern. Zur Region gehören die Orte Ehrwald, Lermoos, Berwang, Bichlbach/-Lähn-Wengle, Biberwier, Heiterwang am See und Namlos. Als Grenzberg liegt die Zugspitze zwischen Deutschland und Österreich. Die Tiroler Zugspitz Arena ist vielseitig, abwechslungsreich, gegensätzlich. Doch hier warten nicht nur Sport, Adrenalin und Action auf aktive Urlauber. Auch Erholung, Ruhe und sanfter Tourismus sind auf der Tiroler Seite des Zugspitzmassivs geboten. www.zugspitzarena.com

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