Traditionelle Handwerkskunst neu entdeckt

Gelebt, gelehrt oder von Generation zu Generation weitergegeben – das traditionelle Handwerk ist in der Steiermark so lebendig wie kaum anderswo. Ob...

Tourismus
18.02.2022 | Steiermark Tourismus

Traditionelle Handwerkskunst neu entdeckt

Gelebt, gelehrt oder von Generation zu Generation weitergegeben – das traditionelle Handwerk ist in der Steiermark so lebendig wie kaum anderswo. Ob von Hand bedruckte Seidentücher, hochwertige Lodenstoffe, handgefertigte Hüte, Lebkuchen oder Plätten – hier entstehen mit zum Teil noch altbewährten historischen Maschinen und Handwerkstechniken wunderschöne Unikate und wahre Kunst(hand)werke.

Detailverliebt: Ausseer Seiden-Handdruck

Mit viel Leidenschaft fürs Detail und ruhiger Hand entwirft Markus Wach in seiner Manufaktur in reiner Handarbeit eine bunte Vielfalt an handbedruckten Stoffen. Eine Handwerkskunst, die seine Mutter Elfriede im Jahr 1981 begann und 1992 an ihn weitergab. Hier ist jedes Stück Stoff, das die Manufaktur verlässt, ein Unikat. Die Arbeit verlangt Kreativität, Geduld und Fingerspitzenfertigkeit. Ein Meter Stoff mit Hand zu bedrucken, dauert in etwa eine Stunde. Wie ein Handdruck entsteht? Der zu bedruckende Stoff wird fadengerade mit Nadeln auf den vier Meter langen Drucktisch aufgespannt. Damit die Farbvorstellungen auf dem Stoff genauestens umgesetzt werden können, wird im Vorfeld kräftig an den Farbmischungen gearbeitet. Oft stundenlang. Stimmt der Farbton beginnt der Druckvorgang. Die Farbe wird auf den Druckfilz gestrichen. Angefangen wird mit glatten Druckformen (auch Druckmodeln genannt) für den Flächendruck, die akribisch auf den Stoff gedrückt werden. Danach kommen die Juwelen der Druckerei zum Einsatz: die Mustermodeln. Geschnitzt aus Holz oder beschlagen mit Messingstiften sorgen diese für das Muster auf dem Stoff. In seiner Manufaktur kann Markus Wach auf rund 800 Mustermodeln zugreifen. Die älteste stammt aus dem Jahr 1880. Ist das Muster fertig, wird der Stoff zum Trocknen aufgehängt und mit Hitze gefestigt. So entstehen Dirndl-Schürzen, Krawatten, Vorhänge aber auch Handtaschen. Die handbedruckten Stoffe kosten pro Meter je nach Material ab 85 Euro. Wer hinter die Kulissen blicken will, wird auf Anfrage durch die Manufaktur und den Schauraum geführt.

Altbewährt: Lodenwalke Ramsau

Seit 1434 ist der Loden in Schladming in der Lodenwalke Ramsau zu Hause. Hier hat sich Familie Steiner der traditionellen Produktion des Lodens verschrieben und verarbeitet jährlich rund 30 Tonnen Wolle in 16 Arbeitsschritten zu Loden. Ob Spinnen, Weben oder Walken von der Wolle bis zur Verarbeitung der Stoffe geschieht alles autark von eigener Hand. Nur die Wolle wird zugekauft. Was das Naturprodukt Loden so besonders macht? Durch den Walkvorgang schrumpft der gewebte Stoff um rund 50 Prozent und gewinnt an doppelter Dichte. Danach ist er winddicht und dank dem natürlichen Wollfett wasserabweisend. Bei einem Blick in die Werkstadt fallen vor allem die altertümlich wirkenden Maschinen auf, die meistens noch aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen. Eine Maschine ist sogar über 200 Jahre alt. Warum keine neuen angeschafft werden? Moderne Maschinen arbeiten zwar schneller, die alten Maschinen gehen laut Familie Reiter aber schonender mit der Wolle um und gewährleisten die gewünschte, hohe Qualität. Wie die Stoffe trocknen? Wie früher. An der frischen Luft. Bei schönem Wetter kann man vor den Türen der Lodenwalke schon mal eine 50 Meter lange Lodenbahn im Wind flattern sehen. Kostenpunkt: Ein Laufmeter Loden kostet ab 45 Euro. Einblicke in die Welt des Lodens bieten individuelle Rundgänge oder eine geführte Besichtigung der Lodenwalke.

Einzigartig: Lebzelterei Pirker in Mariazell

Süßen Duft nach Honig, Gewürzen und Lebkuchen gibt es in der Lebzelterei Pirker in Mariazell nicht nur in der Weihnachtszeit! Hier ist das ganze Jahr Lebkuchenzeit. Gebacken werden Honiglebkuchen. Mit mehr als 50 % echten Bienenhonig. Ohne Konservierungs-mittel – wie früher. Die Gewürzmischung gilt als streng gehütetes Geheimnis, die überlieferten Rezepturen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Lebkuchen-Leitprodukt ist die älteste Mariazeller Lebkuchenform: der klassische Fünfmandler hat vier runde Ecken, ist an jeder Ecke und in der Mitte mit einer Mandelhälfte belegt und mit einer dünnen Zuckerglasur bestrichen. Wie lange es dauert Lebkuchen zu backen? Von der Teigmischung bis zur Verpackung werden die Lebkuchen bis zu 52-mal von den Lebzeltern bearbeitet. Der Arbeitsprozess selbst dauert je nach Sorte und Ausfertigung zwischen drei Stunden und drei Tagen. Heute werden bei Pirker mehr als 80 Sorten Honiglebkuchen produziert – vom einfachen Fünfmandler bis zum feinsten Lebkuchen-Konfekt. 250 Tonnen Honig werden dabei jährlich zu Lebkuchen, Honigweinen und Honigprodukten verarbeitet. Einzigartig in Europa: bei Pirker wird wie vor 100 Jahren auch heute noch als Triologie das traditionelle Handwerk des Lebzeltens, Wachsziehens und Metsiedens gelehrt. Ausbildungszeit: drei Jahre. Bei einer Verkostungs-Führung durch die „erLebzelterei“ können Gäste die Geschichte der Lebkuchen-Produktion, die Kunst des Wachsziehens, eine Schaubackstube und eine Lebkuchenausstellung erkunden.

Behütet: Hutmacherei Leithner in Bad Aussee

Original Ausseer Hüte sind in Bad Aussee urkundlich bestätigt seit 1532 und bis heute zu Hause. Ob zum Kirchgang oder zur Arbeit – im Salzkammergut war und ist der Hut nicht nur Tracht, sondern ein fester Bestandteil der täglichen Kleidung. In der heutigen Werkstätte von Alexander Reiter können nach altbewährter Methode bis zu 200 verschiedene Hutmodelle gefertigt werden. Wie damals. Von Hand. Wie ein Hut entsteht? Zuerst werden Hutstumpen aus Hasenhaar oder Schafwolle gewalkt, in einem Dampfkessel durchfeuchtet und anschließend händisch über eine Holz- oder Aluform gezogen und angepasst. Diese Formen gibt es in der Hutmacherei in Hülle und Fülle, da bei jedem Hutmodell für jede Kopfgröße eine eigene Form benötigt wird. Von den Größen 54 bis 62 sind das in der Regel bis zu neun Formen. Nach einer Nacht im Trockenraum haben die Hüte die richtige Größe. Die Oberfläche wird mit Dampf und Bürsten behandelt, anschließend wird der Hut geglättet, gebügelt und in der Näherei weiterverarbeitet. Die endgültige Form erhält der Ausseer Hut in der Werkstätte. Krönender Abschluss: Die Garnierung mit Schweißband innen und Seiden-, Ripsbändern oder Schnüren außen. Bis ein Hut fix und fertig auf dem Verkaufstisch landet, vergehen rund drei Tage. Davon sind zwei bis sechs Stunden reine Handarbeitszeit. Die fertigen Hüte können im Werksladen probiert und erworben werden. Kostenpunkt: 90 bis 200 Euro. Werksführungen sind auf Anfrage möglich.

Überliefert: Plättenbau im Ausseerland

Mit speziellen, gleichmäßigen Ruderschlägen lassen Gondoliere ihre Boote lautlos über das Wasser gleiten. In Venedig? Nein, in der Steiermark. Die im Ausseerland Plätten genannten Holzboote haben hier eine lange Tradition. Bereits im Mittelalter wurden flache Holzboote zum Transport von Viehfutter, Salz und Holz oder zum Fischen verwendet. Erkennungszeichen: der langgezogene, flache Rumpf, mit dem sie Ufer anfahren können, die für normale Boote aufgrund der Wassertiefe nicht erreichbar sind. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts änderte sich der Transportgedanke hin zum touristischen Angebot. Heute können Gäste die etwa neun Meter langen und ein Meter breiten Boote z.B. zu einer Fahrt mit romantischem Plättenfrühstück auf dem Grundlsee buchen. In einer für bis zu sechs Personen zugelassenen, aus Lärchenholz gefertigten Plätte stecken auch heute noch rund 160 bis 180 Arbeitsstunden. Kostenpunkt: 10.000 bis 15.000 Euro. Die Tischlerei von Erhard und Hans Amon am Grundlsee und Felix Suchaneks „Boote Salzkammergut“, gehören zu den wenigen Betrieben, die die Kunst des Plättenbaus noch nach alten Formen aber mit neuer Technik pflegen und auf Anfrage auch durch die Werkstatt führen. Wer selbst gerne einmal eine Plätte bauen möchte: Felix Suchanek bietet dazu Kurse an.

Über Steiermark Tourismus

Viel zu schön, um kurz zu bleiben: Die Steiermark mit den Regionen Schladming-Dachstein, Ausseerland – Salzkammergut, Nationalpark Gesäuse, Urlaubsregion Murau Murtal, Hochsteiermark, Graz, Thermen- & Vulkanland Steiermark, Oststeiermark und der Süd & West Steiermark bietet ein Land zwischen Gletscher und Therme, zwischen Traditionen und Visionen, mit Kultur sowie kulinarische Erlebnisse durch eine alpenländische Küche gepaart mit mediterraner Finesse. Die vielfältige und umfangreiche Sportinfrastruktur ermöglicht zu allen Jahreszeiten zahlreiche Outdoor-Aktivitäten.

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