Winterurlaub mit gutem Gewissen

Ökologische Nachhaltigkeit und Wintersport scheinen zwei unvereinbare Pole zu sein. Nicht überall. Einige Skigebiete haben interessante Maßnahmen u...

Winterurlaub mit gutem Gewissen

Ökologische Nachhaltigkeit und Wintersport scheinen zwei unvereinbare Pole zu sein. Nicht überall. Einige Skigebiete haben interessante Maßnahmen unternommen, um umweltverträglichen Wintersport zu ermöglichen.

Die Temperatur fällt, die Lust auf Wintersport steigt. Lange dauert es nicht mehr und die ersten Skilifte nehmen wieder munter ihren Betrieb auf. Unzählige Schneesportler stehen schon in den Startlöchern und können es kaum erwarten, unbekümmerte Tage an der frischen Bergluft zu verbringen. Doch machen sich in Zeiten der globalen Sensibilisierung für Umweltschutz und ökologische Nachhaltigkeit auch immer mehr Winterurlauber Gedanken, wie sie ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern können. Grund genug für viele Wintersportregionen, mit innovativen Maßnahmen ihre Natur zu schützen, zu pflegen und langfristig zu erhalten. Wir haben uns umgehört.

LAAX: KLIMANEUTRAL BIS 2030

Einer, der es wissen muss, ist Reto Fry, Umweltbeauftragter und Leiter des Greenstyle-Projekts der Weissen Arena Gruppe in LAAX. Sein ehrgeiziges Ziel lautet, bis 2030 als erste alpine Feriendestination weitgehend CO2-neutral zu sein. Dabei ist seine größte Vision, den gesamten Energiebedarf des größten zusammenhängenden Skigebiets Graubündens durch 100 Prozent regionale erneuerbare Energie abzudecken. Um dieses ehrgeizige Ziel aus eigener Kraft und ohne scheinheilige CO2-Kompensationszahlungen zu erreichen, setzt man dort seit 2010 unter dem Motto „Greenstyle“ auf einen rigorosen Sieben-Punkte-Plan. „Ein großes Potential sehe ich dabei im Bereich Mobilität und Gebäudebestand“, sagt Fry. Immer häufiger sieht man Elektroautos auf den Straßen und Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern. So auch auf dem Riders Hotel in Laax Murschetg, das Frys Worte in Taten umgesetzt und ein echtes Nachhaltigkeitsversprechen abgegeben hat:  maximale Energieeffizienz, 100 Prozent erneuerbare Energien, exklusives Second Hand Mobiliar sowie Zero Waste. Das Pilotprojekt hat unter anderem ein begrüntes Dach, das Insekten einen Lebensraum bietet und gleichzeitig isolierend wirkt..

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Riders Hotel © Weisse Arena Gruppe.
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Reto Fry © Weisse Arena Gruppe.

RIESNERALM: MIT WASSERKRAFT STROM UND SCHNEE ERZEUGEN

Innovativ, ökologisch, nachhaltig und zukunftsweisend – das Skigebiet Riesneralm in der Steiermark hat im vergangenen Jahr das zweite Wasserkraftwerk an der Talstation in Betrieb genommen und produziert nun eInnovativ, ökologisch, nachhaltig und zukunftsweisend – das Skigebiet Riesneralm in der Steiermark hat im vergangenen Jahr das zweite Wasserkraftwerk an der Talstation in Betrieb genommen und produziert nun erfolgreich rund sechs Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Das ist ungefähr doppelt so viel, wie die saisonale Beschneiung und der Betrieb des gesamten Skigebiets erfordern. Der überschüssige Ökostrom wird ins öffentliche Energienetz eingespeist. Der Clou: Eines der beiden Wasserkraftwerke ist mit seinem Rohrsystem an die bestehende Beschneiungsanlage angeschlossen und produziert auf diese Weise Schnee und Strom zugleich. Mit diesem einzigartigen Modell ist man nun in der Lage, die Beschneiung über den Stromverkauf zu finanzieren und benötigt darüber hinaus keinen zusätzlichen Beschneiungsteich mehr.

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Das Skigebiet auf der Riesneralm in der Steiermark. © Riesneralm/Petz

SERFAUS-FISS-LADIS: ALPINER TOURISMUS GEHT HAND IN HAND MIT DER LANDWIRTSCHAFT

Innovativ, ökologisch, nachhaltig und zukunftsweisend – das Skigebiet Riesneralm in der Steiermark hat im vDie Bergbahnen im Tiroler Serfaus-Fiss-Ladis haben sich seit rund 20 Jahren der intensiven Die Bergbahnen im Tiroler Serfaus-Fiss-Ladis haben sich seit rund 20 Jahren der intensiven Zusammenarbeit mit den regionalen Bergbauern verschrieben. Dass das eine dreifache Win-Win-Situation ist, darin sind sich Josef Kaschutnig von der Fisser Bergbahnen GmbH und Christof Schalber von der Seilbahn Komperdell GmbH einig. Gut für die Bauern, gut für die Bergbahnen und gut für die Besucher am Hochplateau, denn „die Bauern profitieren von kurzen Lieferwegen und wir können den Gästen hervorragende Qualität bieten“, sagen beide einstimmig. So kaufen die Bergbahnen Serfaus und Fiss-Ladis den regionalen Bauern jährlich rund 170 Stück Grauvieh ab und allein in den Serfauser Bergrestaurants werden pro Jahr knapp drei Tonnen Bergkäse von der Komperdellalpe verwertet. Der Startschuss für diese Zusammenarbeit fiel bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten und gilt bis heute als Erfolgsmodell. Doch damit nicht genug, es gibt noch einen wichtigen Aspekt: Die Bewirtschaftung von Almen ist für den Erhalt der gepflegten Kulturlandschaft essentiell. Ohne die Almwirtschaft würden die Flächen verwildern, die Lawinengefahr zunehmen und Erosion zur Gefahr für die Sicherheit. Deshalb werden die Bauern von den Bergbahnen bei der Landschaftspflege finanziell unterstützt.

SFL_Kulinarik in Serfaus-Fiss-Ladis © Fisser Bergbahnen GmbH, Manuel Pale
Traditionelle Tiroler Schmankerl aus regionalen und saisonalen Zutaten: In Serfaus-Fiss-Ladis wird der Urlaub zum wahren Geschmackserlebnis.
© Fisser Bergbahnen GmbH, Manuel Pale

OSTTIROL: MIT ALPINER KOMPETENZ ACHTSAMKEIT FÖRDERN

Skitourengehen boomt. Doch genauso wie der Trend steigt, wachsen auch die Probleme. Daher lautet in Osttirol das Wort der Stunde: Alpine Kompetenz. „Die Nutzung der Natur ist ein Privileg und der achtsame Umgang mit ihr liegt uns in Osttirol ganz besonders am Herzen“, sagt Martin Rainer, Leiter des Osttiroler Alpinkompetenzzentrums. Konkret bedeutet das: Experten bringen Interessierten den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur näher. Bei den sogenannten Winter Life Camps lernen bereits Kinder im Schulalter Achtsamkeit und Rücksicht gegenüber der Natur. Eine wichtige Rolle fällt dabei den einheimischen Bergführern zu. Im Winter legen sie zum Beispiel schon frühmorgens die erste Skitourengehen boomt. Doch genauso wie der Trend steigt, wachsen auch die Probleme. Daher lautet in Osttirol das Wort der Stunde: Alpine Kompetenz. „Die Nutzung der Natur ist ein Privileg und der achtsame Umgang mit ihr liegt uns in Osttirol ganz besonders am Herzen“, sagt Martin Rainer, Leiter des Osttiroler Alpinkompetenzzentrums. Konkret bedeutet das: Experten bringen Interessierten den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur näher. Bei den sogenannten Winter Life Camps lernen bereits Kinder im Schulalter Achtsamkeit und Rücksicht gegenüber der Natur. Eine wichtige Rolle fällt dabei den einheimischen Bergführern zu. Im Winter legen sie zum Beispiel schon frühmorgens die erste Aufstiegsspur im frischen Schnee an, damit sensible Naturzonen umgangen werden und gleichzeitig größtmögliche Sicherheit für Skitourengeher gegen alpine Gefahren gewährleisten werden kann. Übrigens profitieren Einheimische wie Gäste gleichermaßen von Osttirols Bergwelt und der alpinen Kompetenz vor Ort. 

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Geführte Ra
ngertour im Nationalpark Hohe Tauern in Osttirol. © TVB Osttirol, Martin Lugger

VILLGRATENTAL: VIEL LÄRM UM NICHTS

„Kommen Sie zu uns, wir haben nichts!“ – mit diesem Spruch haben die Villgrater vor knapp 20 Jahren für viel Aufsehen gesorgt – und sind von allen Seiten belächelt worden. „Doch wo sie einst belächelt wurden, lachen sie heute selbst“, erzählt Christof Schett, Tourenanbieter aus dem Villgratental. Denn obwohl das schneesichere Hochtal und die Topografie der Berge ideal für ein größeres Skigebiet wären, hat sich die Region bereits in den 1970er Jahren gegen Skilifte ausgesprochen und ist heute eines der wenigen Tiroler Täler, in denen es keinen Skilift gibt. So entwickelte sich das Villgratental auf sanfte Weise zum Skitouren-Mekka mit perfekter Infrastruktur. Tourengeher-Taxis bringen die Wintersportler zu den Ausgangspunkten und holen sie auf Anruf wieder ab, LVS-Checkpoints minimieren das Sicherheitsrisiko und Leitsysteme schulen den verantwortungsbewussten Umgang mit Flora und Fauna.

W9 Studios
Das Villgratental ist ein Skitouren- und Schneeschuhparadies. Und heute eines der wenigen Tiroler Täler, in denen es keinen Skilift gibt.
© TVB Osttirol, W9 Studios

DER STERN: WO KLEINE GROSSES LEISTEN

Ohne schlechtes Gewissen ins warme Wasser hüpfen können Erholungssuchende auf dem Mieminger Plateau in der Region Innsbruck. Dort hat im September dieses Jahres das erste Öko-Hallenbad im Alpenraum seine Türen geöffnet. Genauer gesagt gehört das Hallenbad zum Hotel Stern, wo die Wirtsfamilie seit Generationen Nachhaltigkeit lebt und immer schon achtsam mit Energie, Lebensmitteln und der Umwelt umgegangen ist. „Heute wird es als Corporate Social Responsibility bezeichnet und für teures Geld werden Konzepte für Dinge entworfen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten“, sagt René Föger, der in vierter Generation das Hotel und Wirtshaus führt. Er hat das Haus im letzten Jahrzehnt zu einem Pionierbetrieb auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit gemacht und mit dem Öko-Hallenbad die Nachhaltigkeitsmesslatte noch ein bisschen höher gesetzt. Die Anlage ist im Alpenraum einzigartig. Sie kommt ohne zusätzliche Flächenversiegelung aus, erhöht den Energieverbrauch des Hauses nicht und stellt einen klaren Mehrwert für Gäste, externe Besucher und Mitarbeiter dar. Aber auch für die Natur, denn auf „dem Gründach des unterirdischen Hallenbads werden wir bienen- und insektenfreundliche heimische Pflanzen und Obstbäume setzen sowie Bienenstöcke ansiedeln.“
Neben dem Hotel Stern als Pionier werden in der gesamten Region Innsbruck zahlreiche Initiativen ergriffen, um der Nachhaltigkeit im Spannungsfeld zwischen alpiner Bergwelt und urbanem Leben zu dienen. Dazu zählen unter anderem das Naturschnee-Gebiet Nordkette, das Niedrigenergiegebäude im Skigebiet Axamer Lizum, klimaneutrale Hotels sowie die kostenlose Nutzung des öffentlichen Verkehrs im Leistungsportfolio der Gästekarten.

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Hotel Stern © intheheadroom
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Hotel Stern © intheheadroom

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