Irlands wildes Erwachen: Tierbeobachtungen im Frühling
Wenn der Frühling in Irland Einzug hält, erwacht nicht nur die Landschaft, auch die Tierwelt zeigt sich wieder von ihrer lebendigen Seite.
Irlands wildes Erwachen: Tierbeobachtungen im Frühling
Wenn der Frühling in Irland Einzug hält, erwacht nicht nur die Landschaft, auch die Tierwelt zeigt sich wieder von ihrer lebendigen Seite. Nun ist der beste Zeitpunkt für Animal Watching, einen der neuen Reisetrends. Er steht für bewusstes, entschleunigtes Reisen mit Fokus auf authentische Naturerlebnisse und einen respektvollen Umgang mit Wildtieren. Irland bietet dafür ideale Bedingungen: spektakuläre Natur, kurze Wege und vielfältige Lebensräume machen die Insel zu einem der besten Ziele Europas für Tierfans. Diese fünf Erlebnisse zeigen, wo sich Tierbeobachtungen im irischen Frühling besonders lohnen.
Spektakel an den Klippen: Das Comeback der Papageientaucher

Mit ihrem leuchtend bunten Schnabel und dem unverwechselbaren Watschelgang sind Papageientaucher die heimlichen Stars der irischen Tierwelt. Doch die farbenfrohen Vögel zu erblicken, ist gar nicht so leicht. Papageientaucher verbringen einen Großteil ihres Lebens auf dem offenen Meer und kommen nur zwischen April und Juli an Irlands Küste, um ihre Jungen großzuziehen. Wer sehen möchte, wenn sich die zerklüfteten Felsen in lebendige Brutplätze verwandelt, findet einen Hotspot – wie der Name schon verrät – auf Puffin Island vor der Küste Kerrys. Das besondere Naturschauspiel lässt sich auch auf den Skellig Islands im County Kerry beobachten, wo tausende Vögel zwischen den steilen Felsen nisten. Bootstouren nach Skellig Michaels sind online buchbar ab 65 Euro. Wer den Norden bevorzugt, findet auf Rathlin Island riesige Kolonien, die sich den Platz mit Tordalken und Trottellummen teilen. Ebenso lohnend ist ein Abstecher zu den Saltee Islands im County Wexford, einem der wichtigsten Vogelschutzgebiete der Insel.
Tipp: In der Hochsaison ist es ratsam die Fähren, wie zum Beispiel die Saltee Island Tour im Voraus online zu buchen.
Giganten und Akrobaten: Auf Tuchfühlung mit den Bewohnern des Atlantiks

Irlands Gewässer zählen zu den artenreichsten Meeresregionen Europas. Entlang des legendären Wild Atlantic Way bietet sich Naturbegeisterten ein beeindruckendes Panorama: In der Shannon-Mündung lebt eine der größten Populationen Großer Tümmler des Kontinents. Weiter südlich, vor West Cork und den Blasket Islands, steigen im Frühling und Sommer die Chancen auf majestätische Begegnungen mit Zwerg- und Buckelwalen. Doch auch die verspielten Robbenkolonien, etwa an der Dingle-Halbinsel oder im Strangford Lough im Nordosten der Insel, sind ein fester Bestandteil der Küstenkulisse. Bootstouren finden sich online beispielsweise bei den Anbietern Marine Tours ab ca. 60 Euro pro Person oder Atlantic Whale & Wildlife Tours ab ca. 75 Euro pro Person.
Tipp: Wer nicht so gerne auf dem Boot ist, hat, allerdings eher in der zweiten Jahreshälfte, in Irland auch die einmalige Gelegenheit, mit dem Fernglas vom Land aus Zwergwale, Buckelwale und Delfine zu beobachten. Aktuelle Sichtungsmeldungen veröffentlicht die Irish Whale and Dolphin Group (IWDG).
Majestätisch und ungezähmt: Irlands Wildtiere in den Nationalparks im Landesinneren

Auch abseits der Küsten lässt sich Irlands Tierwelt intensiv erleben. Hier kommen Naturfreunde voll auf ihre Kosten, etwa im Killarney National Park, der die letzte freilebende Rotwildherde des Landes beherbergt. Vor allem in den frühen Morgenstunden offenbaren die uralten Wälder und Seenlandschaften eindrucksvolle Begegnungen mit den scheuen Tieren. Weiter nördlich, im Glenveagh National Park kehrt der Steinadler dank eines erfolgreichen Schutzprojekts in die freie Wildbahn zurück. Mit etwas Glück lässt sich der majestätische Greifvogel beim Kreisen über den Derryveagh Mountains erspähen. Im Connemara National Park westlich von Galway prägen hingegen offene Moorlandschaften und Berge das Bild und mittendrin die berühmten Connemara-Ponys. Seit Jahrhunderten an die rauen Bedingungen angepasst, streifen sie vielerorts frei durch die weiten Ebenen und sind untrennbar mit dem Landschaftsbild des irischen Westens verbunden.
Tipp: Informationen über Vorkommen, Brutzeiten und Sichtungen der Steinadler findet sich bei Bird Watch Ireland.
Kleine Wunder im Kalkstein: Die verborgene Artenvielfalt des Burren

Der Burren National Park im County Clare ist eine der außergewöhnlichsten Landschaften Europas. Was auf den ersten Blick wie eine karge, graue Mondlandschaft aus kahlen Kalksteinformationen wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein Hotspot der biologischen Vielfalt. In den schmalen Felsspalten, den sogenannten „Grykes“, gedeiht eine einzigartige Mischung aus alpiner, arktischer und mediterraner Flora. Im Frühling erwacht dieses steinerne Herz Irlands: Seltene Orchideen setzen Farbtupfer zwischen den Felsen, während Schmetterlinge über die Kalksteinplateaus tanzen. Neben Feldhasen lässt sich hier mit etwas Geduld sogar Irlands einziges heimisches Reptil entdecken: die Gemeine Eidechse, die sich gerne auf den von der Sonne angewärmten Steinen sonnt. Auch die Vogelwelt kehrt zurück: Steinschmätzer und verschiedene Zugvögel nutzen die geschützten Nischen der Region, während in den saisonalen Seen, den Turloughs, Amphibien aktiv werden.
Tipp: Ambitionierte Wanderer können auf dem Burren Way, einem 114 Kilometer langen Fernwanderweg, 5 Tage lang ganz in die bizzare Felslandschaft des Burren eintauchen.
Schon gewusst?

© Tourism Ireland by Bernie Brown
In Irland beginnt der Frühling spürbar früher als in Deutschland. Nach dem alten gälischen Kalender startet die Jahreszeit schon am 1. Februar – St. Brigid’s Day –, während hierzulande meist erst der März den Frühling einläutet. Durch das milde, vom warmen Golfstrom geprägte Klima erwacht die Natur auf der grünen Insel schon im Februar: Schneeglöckchen und Narzissen blühen, während in Deutschland oft noch winterliche Kühle herrscht.