Das Fest vor dem Fest: Irlands heilige Orte und der Ursprung von Samhain

Samhain in Irland: die keltischen Wurzeln von Halloween.

Allgemein, Tourismus
19.10.2026 | Tourism Ireland

Irlands heilige Orte und der Ursprung von Samhain

Lange vor Kostümen und Kürbissen markierten die Kelten mit Samhain den Beginn der dunklen Jahreshälfte. Die Orte dieses Festes liegen bis heute in Irlands Landschaft – Feuerhügel in Meath, eine Höhle in Roscommon und Ganggräber, die auf den Sonnenaufgang zu Samhain ausgerichtet sind.

Derry, Dublin, Armagh: Irlands Halloween-Festivals füllen im Oktober ganze Innenstädte. Ihr Ursprung liegt jedoch ein paar Landstraßen und rund 5.000 Jahre entfernt. Samhain teilte das keltische Jahr in zwei Hälften, und der 31. Oktober war die Schwelle: Die Ernte war eingebracht, die Herden von den Bergweiden zurück, die dunkle Hälfte begann. In dieser Nacht galten die Grenzen zur Anderswelt als durchlässig.

Wie genau die Iren diese Schwelle bestimmten, zeigen ihre Monumente – und zwar nicht nur zur Wintersonnenwende, für die Newgrange am 21. Dezember berühmt ist. Samhain liegt exakt in der Mitte zwischen Herbst-Tagundnachtgleiche und kürzestem Tag, und auf diesen Punkt zielen drei andere Ganggräber: der Mound of the Hostages auf dem Hill of Tara, Cairn L in Loughcrew und Listoghil in Carrowmore. Ihre Gänge fangen den Sonnenaufgang Anfang November und Anfang Februar ein, zu Samhain und Imbolc. Newgrange markiert den tiefsten Stand der Sonne, die drei anderen die Schwellen davor und danach.

Das Feuer von Tlachtga: Hill of Ward, County Meath

Kerzenlicht und Erzählkunst am Hill of Ward bei Athboy, County Meath © Tourism Ireland

Knapp 20 Kilometer von Tara entfernt liegt ein Hügel mit vier konzentrischen Erdwerken: der Hill of Ward, in der Überlieferung Tlachtga. Ein Feuer hier wäre über Meilen flacher Landschaft zu sehen gewesen. Der Historiker Geoffrey Keating beschrieb im 17. Jahrhundert, dass am Vorabend von Samhain das erste Feuer auf diesem Hügel entzündet wurde und alle anderen Feuer Irlands zu löschen waren, um neu von diesem einen entfacht zu werden. Der Archäologe Steve Davis vom University College Dublin grub hier von 2014 bis 2016: Die älteste Anlage reicht in die späte Bronzezeit zurück, und über alle Phasen hinweg fand sein Team Brandschichten und Tierknochen in großer Menge – Reste wiederkehrender Feuer und Festmahle. „Es gibt in Irland sehr wenige Monumente, die wir mit diesem für vergleichbar halten“, sagt er, bleibt sonst aber vorsichtig: „Wir haben Spuren intensiven Brennens gefunden, ob man das mit Samhain gleichsetzen will oder nicht.“

Vom 29. Oktober bis 1. November 2026 nimmt das Púca Festival in Trim und Athboy den Faden auf. Entzündet wird das Samhain-Feuer am 31. Oktober auf dem Hügel, in kleiner Runde: Der Ort selbst ist an diesem Abend nicht öffentlich zugänglich. Von dort tragen Fackelträger die Flamme zu Fuß nach Athboy, wo das Festival sie in Empfang nimmt: Dort stehen Konzerte, Erzählabende und Feuerperformances auf dem Programm.

Samhain in Tara: Wenn die Anderswelt den König besucht 

Der Mound of the Hostages auf dem Hill of Tara ist das älteste Monument auf dem Hügel der Hochkönige. © Tourism Ireland

Das älteste Monument auf dem Hügel der Hochkönige ist kein Thron, sondern ein Grab. Der Mound of the Hostages entstand um 3000 v. Chr., mehr als tausend Jahre vor den ersten Königen; ausgegraben wurden darin die Überreste von mehreren hundert Menschen, dazu ein Steindekor aus Spiralen und Kreisen. Sein vier Meter langer Gang zeigt nach Südosten, auf den Sonnenaufgang Anfang November. Und die frühe irische Literatur überliefert, was an diesem Datum hier geschah: die feis Temro, eine königliche Versammlung zu Samhain. Mehrere Erzählungen schicken dabei übernatürliche Besucher auf den Hügel, die den König herausfordern. Samhain war in Tara nicht nur Jahreswechsel, sondern Prüfung der Herrschaft. Von Tlachtga aus ist Tara zu sehen – die beiden Hügel gehörten zur selben Ritual-Landschaft. 

Der Hügel der alten Frau: Loughcrew, County Meath

Auf drei Kuppen bei Oldcastle liegen rund 30 Ganggräber, Zeitgenossen von Newgrange – und weit stiller. Ihr irischer Name verrät, wem sie gehören: Sliabh na Caillighe, Hügel der Cailleach, jener alten Frau des Winters, die laut Überlieferung die Steine aus ihrer Schürze fallen ließ, als sie von Kuppe zu Kuppe sprang. In Cairn L auf Carnbane West trifft das Licht des Samhain-Sonnenaufgangs einen 1,80 Meter hohen, freistehenden Kalksteinpfeiler in der Kammer; entdeckt haben die Ausrichtung Martin Brennan und Jack Roberts im Jahr 1980. Cairn L liegt auf Privatland und ist nicht zugänglich, die Kammer des größeren Cairn T ist seit 2018 geschlossen, weil ihre Betondecke aus dem späten 19. Jahrhundert instabil wurde. Die Hügel selbst sind frei begehbar: ein steiler Aufstieg, Blick weit über die Midlands, Wind.  

Die Höhle der Katzen: Oweynagat, County Roscommon 

Angeführt von der Göttin Morrígan steigen zu Samhain die Wesen der Anderswelt aus der Höhle der Katzen empor. © Tourism Ireland

Was in Meath mit Feuer und Licht markiert wurde, hat in der Überlieferung weiter westlich seinen Ausgangspunkt. In einer Weide bei Tulsk liegt unter einem Weißdorn ein schmaler Spalt im Boden: Oweynagat, Uaimh na gCat, die Höhle der Katzen. Aus ihr sollen in der Nacht von Samhain die Wesen der Anderswelt hervorgekommen sein, angeführt von der Göttin Morrígan. Christliche Schreiber nannten sie im 12. Jahrhundert im Book of Leinster Irlands Tor zur Hölle. Die Höhle gehört zum Königssitz Rathcroghan, mit rund 240 archäologischen Stätten auf etwa 6,5 Quadratkilometern die größte nicht ausgegrabene Königsstätte Europas. Das Rathcroghan Visitor Centre führt mit der Tour „The Origins of Samhain“ an den Höhleneingang und trennt dabei, was Archäologie ist und was Mythologie: 2026 montags bis freitags zwischen dem 21. Oktober und dem 1. November, außer am Bank Holiday Monday. 

Sonnenaufgang über Carrowmore, County Sligo 

Oweynagat war nicht das einzige Tor: Auch die Keshcorran Caves in Sligo galten als Zugang zur Anderswelt und als mit der Höhle in Roscommon verbunden. Eine halbe Stunde weiter nordwestlich liegt der Megalithfriedhof Carrowmore, und in seinem Zentralmonument Listoghil wird aus der Vorstellung Beobachtung. Die Kammer zielt auf eine sattelförmige Senke in den Ballygawley Mountains – genau dort geht am 31. Oktober die Sonne auf. Weil die Kammer sich nach hinten leicht verjüngt, berührt das Licht jeden einzelnen ihrer Steine. Eine Minute vorher leuchtet drüben Queen Maeve’s Cairn auf dem Knocknarea auf. In den Bergen, über denen die Sonne aufgeht, wohnt nach lokaler Überlieferung die Cailleach Bhérra: dieselbe Winterfrau, deren Namen die Hügel von Loughcrew tragen. Das Gelände ist über ein OPW-Besucherzentrum zugänglich, und das Sligo Samhain Festival hat hier bereits Sonnenaufgangs-Führungen angeboten. 

Eichen und Klöster: Derry~Londonderry

Martin Bradley von Foyle Trails erzählt auf seinen Waldtouren von der keltischen Mythologie. © Tourism Ireland

Dass Irlands heilige Orte nicht an einem Datum enden, zeigt der Nordwesten. Martin Bradley von Foyle Trails verbindet auf seinen Touren Paläoökologie und keltische Mythologie: Er erzählt von den Eichenwäldern, die der Insel einst den Namen „Inis na bhFiodhbhad“, Waldinsel, gaben, und von den Druiden, die unter Eichen beteten, bevor die frühen Christen ihre Klöster an denselben Orten errichteten – Kildare, die „Kirche der Eiche“, und Derry~Londonderry, der „Eichenwald von Colmcille“.

Wer das 40. Derry Halloween im Programm hat, hat den Ursprung des Festes damit schon vor der Haustür. Und für die Hügel reicht ein Tag mehr: Tara, Athboy und Oldcastle liegen im Boyne Valley nah beieinander, Rathcroghan und Carrowmore schließen nach Westen an.   

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