Herbsturlaub: Wenn die Lärchen leuchten
Offene Hütten, klare Luft und deftige Gerichte: Sieben Regionen beweisen, dass der Herbst in den Alpen längst mehr ist als Nebensaison.
Herbsturlaub: Wenn die Lärchen leuchten
Zwischen Baden im Bergsee und dem ersten Schnee passiert in den Alpen eine ganze Menge. Viele Hütten haben noch offen, die Luft ist klar und im Tal laden Wirte zum Törggelen oder zur Trüffelverkostung. Sieben Regionen beweisen, dass der Herbst in den Alpen längst mehr ist als Nebensaison.
Es gibt diese Morgen im Oktober, an denen der Nebel noch im Tal liegt, während die Bergkämme darüber dank der klaren Herbstluft schon deutlich zu sehen sind. Die Lärchen leuchten gelb, die Almwiesen riechen nach dem letzten Schnitt. Viele Hütten haben noch offen, anstehen muss niemand mehr, der Fensterplatz ist quasi garantiert. Die Sommerpotenzialstudie 2025 der Österreich Werbung zeigt eine deutliche Verschiebung: Rund ein Drittel der Reisenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sucht genau diesen Moment und bucht inzwischen ausschließlich außerhalb der klassischen Hochsaison. Diese Gruppe ist laut der Studie reiseerfahrener, gibt mehr aus und sucht in den Bergen vor allem Ruhe, intakte Natur und alpine Küche. Herbstreisende weichen nicht aus. Sie entscheiden sich bewusst. Almabtriebe mit Glockengeläut und Blumenschmuck, goldene Herbstwälder und deftige Wildgerichte prägen diese Saison. Sieben Regionen in den Alpen zeigen, was den Herbst hier ausmacht.
#1 Serfaus-Fiss-Ladis: Wann ist der Herbsturlaub am schönsten?
September oder Oktober, das ist oft die Frage. Auf dem sonnigen Hochplateau von Serfaus-Fiss-Ladis über dem oberen Tiroler Inntal fällt die Antwort leicht. Die beiden Monate haben zwei ganz eigene Charaktere. Der September verlängert den Sommer. Die Tage sind noch lang, oberhalb der Baumgrenze reicht ein leichter Pullover. Wer im Sommerurlaub noch keinen Dreitausender geschafft hat, holt das jetzt – bei besten Bedingungen – nach. Zum Abschluss der Almwirtschaftssaison ziehen im Rahmen des Genussherbstes bunt geschmückte Kühe beim Almabtrieb von den Weiden zurück in die Dörfer: In Serfaus findet der stimmungsvolle Umzug am 13. September statt. In Fiss wird der Tiroler Brauch am 19. September zum Erlebnis für die ganze Familie. Im Oktober verändert sich die Stimmung. Die ersten Herbstfarben werden intensiver, die Sicht reicht weiter über den Alpenhauptkamm. Auf den Wegen ist es ruhiger. Die Wirtsleute setzen sich auch mal zu ihren Gästen und haben Zeit zum Ratschen. Was beide Monate verbindet, ist das neue Musikfestival Goldene Herbstklänge. Vom 26. September bis 10. Oktober verwandelt es das Hochplateau in eine Bühne für Schlager, Volksmusik und Unterhaltung. Geführte Wanderungen tagsüber stimmen auf die Abende ein, wenn Stars wie Die Calimeros, Francine Jordi und Anita Hofmann die golden gefärbte Bergkulisse mit Musik füllen. Ein stimmungsvoller Ausklang der Saison, der unvergesslich bleibt.

#2 Region Graz: Von der Knolle zur Rebe
In der Erlebnisregion Graz steht der Herbst ganz im Zeichen des Genusses – und das auf eine Art und Weise, die man in der Steiermark zunächst nicht erwarten würde. Denn in den Wäldern rund um Graz wachsen verschiedene Trüffelarten. Die ersten entdeckten die Hunde von Biologin Gabriele Sauseng 2014 ganz zufällig während eines Spaziergangs. Inzwischen findet hier jährlich sogar das Internationale Trüffelfestival statt, dieses Jahr vom 20. Oktober bis 1. November, bei dem Gerichte mit Trüffeln aus Graz probiert werden können. Weitere Spezialitäten bieten internationale Aussteller beim Trüffelmarkt im Paradeishof an, und wer selbst auf die Suche gehen möchte, schließt sich Sauseng und ihren Hunden bei einer geführten Wanderung im Leechwald an. Richtige Feinschmecker kombinieren die Gerichte zudem mit sogenannten Trüffelweinen – Weinen, deren Charakter und Aromatik besonders gut mit den Trüffelspezialitäten harmonieren. Apropos Wein: Für Liebhaber lohnt sich ein Besuch in der Region im Herbst besonders. Nur einen Katzensprung von der Grazer Stadtmitte entfernt, am Kehlberg, baut Hannes Sabathi die aromatischen Rebsorten Sauvignon Blanc, Grauburgunder und Gelber Muskateller für den Stadtwein FALTER EGO an. Den roséfarbenen Schilcher, das Unikat der Steiermark, genießt man auf der Schilcherweinstraße, die etwas westlich von Graz in Ligist beginnt und in die Südsteiermark führt.

#3 Pillerseetal: Wer den Sommer „verbadet“ hat, holt jetzt die Berge nach
Der Lauchsee war warm, der Pillersee glasklar, die SUPs kamen nicht zum Stehen. Wem der Sommer zu heiß war, um auf die Berge zu wandern, hat im Pillerseetal noch bis in den Oktober Zeit, das nachzuholen. Die Bergbahnen laufen noch bis weit in den Herbst hinein, viele Hütten haben bis Mitte Oktober geöffnet und am Wegesrand hört man eher Murmeltiere pfeifen als andere Wanderer. Ein guter Moment, den Weitwanderweg WAIWI zu erkunden. Vier Tage, fünfzig Kilometer, gut 3.200 Höhenmeter: Die Tour führt von Waidring bis Fieberbrunn, über Hausberg, Buchensteinwand und Wildseeloder. Übernachtet wird in Talunterkünften, und wer mag, kürzt die Anstiege bequem per Seilbahn ab. Das große Finale wartet auf der letzten Etappe: Vom Wildseeloderhaus am mystischen Wildsee (1.854 m) führt der Weg hinauf auf den Gipfel des Wildseeloders, ein waschechter Zweitausender mit grandiosem Panorama.

#4 Region Seefeld: Wo der Nebel unten bleibt
An manchen Herbstmorgen sieht man im Inntal kaum das Nachbarhaus, so tief hängt der Nebel. Oben, auf dem Seefelder Hochplateau, auf rund 1.200 Metern, steht die Sonne über den Lärchen. Meteorologen nennen diese Konstellation Inversionswetterlage, für die Einheimischen gehört sie zum Alltag. An solchen Tagen lohnt sich die Leutascher Hofladenrunde gleich doppelt. Der Rundweg führt über rund zehn Kilometer durch goldgelbe Herbstlandschaft, vorbei an einem knappen Dutzend traditioneller Bauernhöfe mit ihren Hofläden. Manche haben feste Öffnungszeiten, andere setzen auf Selbstbedienung: Liebevoll gestaltete Holzverschläge stehen am Wegrand, samt Kühlschrank und einer Kasse zum Wechseln. Diese Automaten sind rund um die Uhr geöffnet. Wer will, kauft direkt vom Erzeuger Speck, Eier, Fleisch vom Tiroler Grauvieh oder gereiften Käse. Dazu ein Zirbenkissen aus der Nachbarwerkstatt. Abends geht’s zum Törggelen in den Landgasthof Ropferstub’m. Ab September gibt es dort „nuier und siaßer“ Wein zum Verkosten, Gerstlsuppe, Schlutzkrapfen sowie geröstete Kastanien. Vor der Sonnenterrasse liegt das Inntal noch immer unter seiner Wolkendecke.

#5 Zell am See-Kaprun: Zwei Jahreszeiten, ein Tag
Der Atem steht in der Luft, Ski ziehen ihre ersten Spuren durch frischen Schnee. Zweitausend Höhenmeter tiefer treiben bunte Ahornblätter auf dem Zeller See. In Zell am See-Kaprun zeigt der Spätherbst an einem einzigen Vormittag zwei Gesichter. Am Kitzsteinhorn beginnt die neue Skisaison – voraussichtlich ab 10. Oktober 2026, je nach Schneelage –, während sich im Tal die Hänge noch kupfern färben. Auf dem Gletscher beginnt der Winter, wenn andere Skigebiete noch gar nicht ans Öffnen denken: Der Betrieb läuft bis in den Mai. Vormittags Schwünge im Schnee, nachmittags im Pullover am Ufer. Dazu läuft bis Anfang November die Veranstaltungsreihe „Herbstlaut“. Bei der Zeller Wiesn (2. bis 4. Oktober) treffen Tradition und Feierlaune aufeinander, die Wildwochen (9. bis 31. Oktober) holen den Herbst auf den Teller, und beim Bergfest „Wüd, Wüder, Wüderer“ auf der Schmittenhöhe trifft feinste Wildkulinarik auf den Blick über dreißig Dreitausender. Wer den Sommer verlängern will, nimmt die Sommerkarte: Sie gilt bis einschließlich 31. Oktober, inklusive Bergbahnfahrten auf Schmittenhöhe und Kitzsteinhorn sowie Schifffahrt am Zeller See. Am Ende hat man hier im Herbst zwei Ausrüstungen im Kofferraum. Eine für den Schnee und eine für den Uferweg.

#6 Naturpark Ammergauer Alpen: Lust auf Langsamkeit
85 Kilometer, fünfzehn Stationen, ein Weg quer durch den Naturpark Ammergauer Alpen. Der Meditationsweg Ammergauer Alpen verläuft von der Wieskirche im Pfaffenwinkel bis zum Schloss Linderhof: am Soier See vorbei, durch den Ammerdurchbruch Scheibum, über das Moor bei Bad Kohlgrub, hinauf aufs Hörnle. Zwischen den Etappen liegen fünfzehn Kraftorte, die dem Weg seinen Namen geben: Kapellen, Kloster, Naturdenkmäler und gleich zwei UNESCO-Welterbestätten. Alles ohne Sommerandrang. Im Herbst wird die Route noch stiller. Am Waldrand steht das Laub in Kupfer und Ocker, ein paar Buchenblätter drehen sich im Fallen. Der Boden riecht nach feuchter Erde und nach dem Regen der vergangenen Nacht, über den Wiesen hängt Nebel, dünn wie ein Tuch, das sich langsam hebt. An vielen Stellen stehen Inspirationstafeln am Wegrand. Kurze Sätze zum Innehalten, mehr Anregung als Anweisung. Steile Passagen bleiben die Ausnahme, der Weg lässt sich auch ohne alpine Erfahrung gehen. Auch allein, in Einzeletappen oder in fünf Tagen am Stück.

#7 Flims Laax: Gelebte Tradition auf schmalen Wegen
Wenn das Vieh nach den warmen Monaten auf den hoch gelegenen Almen heimwärts getrieben wird, ist der Sommer offiziell vorbei. Der Alpabzug Flimserstein zählt dabei zu den eindrücklichsten: Am Samstag, 19. September 2026, ziehen knapp 130 festlich geschmückte Kühe über die geschichtsträchtige „Scala Mola“ hinunter ins 500 Meter tiefer gelegene Bargistal und weiter nach Flims. Die Route führt über einen steinigen und ausgesetzten Römerweg, der 1645 in die Felsen des Flimsersteins geschlagen wurde. Auf der einen Seite ragt die steile Felswand empor, auf der anderen fällt der Weg zum Abgrund ab. Der historische Alpenweg stellt die Flimser Älplerinnen und Älpler bis heute vor eine besondere Herausforderung und hat den Alpabzug weit über die Bündner Berge hinaus bekannt gemacht. Was früher ein kleines Fest für die Einheimischen war, ist heute ein ausgelassenes Spektakel mit mehreren Tausend Besucherinnen und Besuchern. Dank zweier Livekameras können Schaulustige das Spektakel auf einem großen LED-Screen in Bargis hautnah miterleben. Am Fuße des Pfades beginnt der Festbetrieb um 10 Uhr.
