Weihnachtszeit: Von den Alpen bis ans andere Ende der Welt

Überall auf der Welt rücken Menschen rund um Weihnachten zusammen. Doch wie sie das Fest begehen, unterscheidet sich deutlich.

Weihnachtszeit: Von den Alpen bis ans andere Ende der Welt

Überall auf der Welt rücken Menschen rund um Weihnachten zusammen. Doch wie sie das Fest begehen, unterscheidet sich deutlich.

Kaum ein Fest ist so vertraut wie Weihnachten, und kaum eines wird so verschieden gefeiert. Mancherorts hängt der Christbaum kopfüber von der Decke, andernorts holen Menschen ihn am ersten Feiertag tauchend aus einem kalten See. Denn die Weihnachtszeit verändert ihr Gesicht mit jedem Breitengrad. In manchen Alpentälern tragen die Einheimischen Fackeln durch den verschneiten Wald, auf der Südhalbkugel feiern Menschen bei sommerlichen Temperaturen am Strand. Neun Destinationen zeigen, wie das sein kann: im Schnee, am See, zwischen Kerzen und Klostermauern oder unter Palmen.

IN DEN ALPEN

Die dunkle Jahreszeit hat viele Gesichter, den Fackelschein in Seefeld, die ersten Flötentöne in Graz und den alten Schrecken des Krampusses im Tölzer Land. © Region Seefeld; Steirische Volksliedwerk, Sonja Ebner; Stadt Bad Tölz/Dietmar Denger

Region Seefeld: Leutascher Kapellenadvent

An den Adventwochenenden wandern Einheimische wie Gäste im Leutaschtal von Kapelle zu Kapelle durch das verschneite Tal. Mitgebrachte Laternen erleuchten den Weg, Sänger oder Bläser begleiten jede Gruppe. Über zwanzig Kapellen säumen die Wege, jede erzählt ihre Geschichte: von überstandener Krankheit, von der Heimkehr aus dem Krieg, von Kindersegen. Errichtet von Menschen, die in der Region Seefeld weit verstreut lebten und hier zusammenfanden. Das gesellige „Hoangartn“, die Einkehr nach der Wanderung bei einem der lokalen Wirte, gehört zum Advent wie der Schnee. 

Erlebnisregion Graz: Von leisen Tönen und wilden Gestalten

An manche Weihnachtslieder erinnert man sich nur noch bruchstückhaft. Wer diese Lücken im Advent noch schließen möchte, wendet sich in Graz an das weltweit einzigartige Büro für Weihnachtslieder und bekommt Text und Melodie zurück. So sorgsam wie die Liedersammler mit den leisen Tönen umgehen, so intensiv begehen die Grazer ihre Vorweihnachtszeit, in der Stadt wie in der Region. Fünfzehn unterschiedliche Christkindlmärkte liegen allein in der Altstadt in Laufweite. Im Landhaushof steht in diesem Jahr zum 30. Mal die größte Eiskrippe der Welt und in der Schmiedgasse hängen Christbäume verkehrt herum über den Köpfen der Besucher. Schaurig-Schönes gibt es Anfang Dezember bei Umzügen in der Erlebnisregion Graz zu sehen. Hier ziehen wilde Krampusse und Perchten mit viel Getöse durch die Gassen und lehren nicht nur unartigen Kindern das Fürchten. 

Tölzer Land: Weihnachtsmärkte an außergewöhnlichen Orten 

Nicht jeder Weihnachtsmarkt im Tölzer Land steht auf einem Marktplatz. Manche bezaubern ihre Besucher in einer alten Tenne, andere im Wald. Auf Gut Waltersteig in Eurasburg fällen Familien ihren Christbaum selbst und wärmen sich danach am Lagerfeuer. Bei Königsdorf backen Kinder Stockbrot über offenem Feuer und staunen bei einer Feuershow. Besinnlicher ist die Atmosphäre im umfassend sanierten Kloster Beuerberg und zwischen den historischen Bauernhäusern des Freilichtmuseums Glentleiten. Anders beim Krampuslauf in Bad Tölz. Hier treiben furchterregende Gesellen in zottigen Pelzen mit Rasseln und Gebrüll ihr Unwesen zwischen den Weihnachtsmarktständen der historischen Marktstraße, die für ihre barocken Bürgerhäuser mit traditionellen Lüftlmalereien bekannt ist. Tipp: Die meisten Märkte im Tölzer Land sind gut mit Bus und Bahn erreichbar.

AM BERGSEE

Zwischen Seeufer, Schnitzbank und Räucherkännchen zeigt sich, wie vielfältig die Menschen in den Alpenregionen den Advent feiern. © OFP Kommunikation; Zell am See-Kaprun Tourismus; Tourismusverband Tannheimer/Dominik Doucha

Tannheimer Tal: Mit Fackeln zum Christkindlmarkt

Kein Auto fährt hier hinein. Wer zum Christkindlmarkt am Vilsalpsee im Tannheimer Tal will, nimmt das Bähnle oder geht mit der Fackel durch den Winterwald. Am Waldrand liegt der zugefrorene See, mitten im Naturschutzgebiet, umgeben von hohen Felswänden und schneebedeckten Nadelbäumen. Am Seeufer stehen erleuchtete Holzbuden. Der Duft von Glühwein und Käsespätzle liegt in der Luft, dazu gibt es Tiroler Schnitzkunst und geräucherten Schinken aus der Region. Die meisten gehen den halbstündigen Weg wieder mit der Fackel zurück nach Tannheim. Die natürliche Stille, das Flackern der bunten Lichter und die Romantik des Vilsalpsees werden sie aber nie vergessen. 

Zell am See–Kaprun: Ein Christbaum aus der Tiefe

Sechs Wochen lang tanzen die Lichter des Sternenadvents am Ufer des Zeller Sees. Sogar die Burg Kaprun erstrahlt und umrahmt mit ihren alten Mauern einen kleinen Adventmarkt. An ausgewählten Terminen sieht man die Lichter bei einer Sternenschifffahrt vom Wasser aus. Der stillste Moment aber spielt sich unter der Oberfläche ab: In der Oberschneiderbucht holen Taucher der Wasserrettung am 25. Dezember einen geschmückten und leuchtenden Christbaum aus der Tiefe. Begleitet werden sie von Fackelschwimmern und Weisenbläsern. Die 50-jährige Tradition ist ein Dankeschön an alle Helfer:innen der Wasserrettung Zell am See und ein Gedenken an die, die im See geblieben sind.

Pillerseetal: Wenn der Rauch die Nächte reinigt

Besonders in den Rauhnächten zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar lebt im Pillerseetal die alte Räucher-Tradition auf. Wer es lernen will: Bei den Räucher-Workshops von Kräuterpädagogin Birgit Schwaiger, die von Ende Oktober bis Mitte März stattfinden, stapfen die Teilnehmer, wenn Schnee liegt, mit Schneeschuhen durch den Wald und sammeln Harz und andere Naturschätze, ehe sie lernen, das Kräuterfass zu schwenken. Dann zieht der Duft von Wacholder, Beifuß und Fichtenharz durch die Stube, während die ausgebildete Kräuterpädagogin zeigt, welches Kraut wofür steht. Früher sollte der Rauch Geister vertreiben und das Haus reinigen, heute tut er vor allem der Seele gut. Dazu laden in der Vorweihnachtszeit das Christkindldorf am Ufer des Pillersees, der Rosenegger Adventzauber sowie viele kleine Adventveranstaltungen Besucher zu Punsch, heimischen Schmankerln und Ständen mit regionalem Kunsthandwerk ein.

AUSSERHALB DER ALPEN

Weit weg von Schnee und Alpen rückt Weihnachten ans Wasser. In Irland stürzen sich Tausende ins eiskalte Meer, in Australien beginnt der Morgen mit einem Sprung in die Wellen am Bondi Beach und auf Fiji sitzt man gemeinsam am Strand und teilt, was auf den Tisch kommt. © Shutterstock; Tourism Australia; Tourism Fiji

Irland: Erfrischend anders

Mit dem Fest Mariä Empfängnis am 8. Dezember beginnt in Irland die Weihnachtszeit. Spätestens Heiligabend stellen viele Familien eine Kerze ins Fenster, als Licht für Maria und Josef und für jeden Reisenden, der ein Dach sucht. Die Geschenke bringt Santy, wie Santa Claus dort genannt wird, am Weihnachtsmorgen. Zum Dank stehen für ihn ein Mince Pie, ein Whiskey oder ein Guinness bereit. Am selben Morgen stürzen sich landesweit Tausende ins eiskalte Meer, etwa an der Badestelle Forty Foot bei Dún Laoghaire südlich von Dublin oder im natürlichen Meeresbecken Portnahapple im nordirischen Portstewart. Einen Tag später, am St. Stephen’s Day, ziehen die sogenannten Wren Boys mit bemalten Gesichtern, Masken und Strohkostümen singend von Haus zu Haus und sammeln Spenden. 

Australien: Weihnachten in Badehose

Auch in Australien gibt es weiße Weihnachten, allerdings im Hochsommer und mit weißem Sand statt Schnee. In Down Under startet man selbst an den Feiertagen früh in den Tag. Am Weihnachtsmorgen paddeln am Bondi Beach als Weihnachtsmänner verkleidete Surfer in die Wellen. Später treffen sich Familien zum Schwimmen, Spazieren oder Frühstück am Wasser. Statt des Verdauungsspaziergangs nach dem Festessen spielen viele Aussies eine Runde Backyard Cricket im Garten. Am Boxing Day, dem 26. Dezember, beginnt das Sydney Hobart Yacht Race. Mehr als 100 Yachten gehen an den Start, begleitet von Hunderten Zuschauerbooten. Rund 1.170 Kilometer führt die Strecke bis nach Hobart auf Tasmanien. 

Fiji: Zwischen Kava, Lovo und Kokosnuss

Weihnachten auf Fiji riecht nach Rauch und Kokosnuss. Wenn die Feiertage nahen, kehren die meisten aus den Städten in ihre Heimatdörfer zu ihren Familien zurück. Dort haben die Männer längst den Erdofen für das Festessen Lovo vorbereitet, in dem Schwein, Fisch, Wurzeln und Taro-Knollen stundenlang auf glühenden Steinen garen. Dazu gibt es Palusami, kleine Päckchen aus Taroblättern und Kokosmilch. Blumen und geflochtene Palmblätter schmücken den Dorfsaal. Später kreist die Kava-Schale, es wird zusammen musiziert und Meke getanzt. Wer vorbeikommt, wird zum Essen eingeladen, egal wie viel noch da ist. So isst man zusammen, tagsüber im eigenen Dorf, abends beim Nachbardorf.

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